Interdisziplinäre Therapieansätze

Interdisziplinäre Therapieansätze für Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), die den Gastrointestinaltrakt betreffen. Diese Erkrankungen sind komplex und haben viele Facetten, einschließlich genetischer Prädisposition, Veränderungen im Darmmikrobiom und Beeinträchtigungen der Darmbarrierefunktion. In diesem Bericht werden die aktuellen Erkenntnisse und Ansätze für die interdisziplinäre Therapie dieser CED besprochen.

Epidemiologie der CED

Weltweit sind etwa 6-8 Millionen Menschen von CED betroffen, wobei in Europa mehr Menschen an Colitis ulcerosa als an Morbus Crohn erkranken. In Deutschland gibt es schätzungsweise 250.000 Morbus Crohn- und 400.000 Colitis ulcerosa-Patienten. Die Inzidenz der CED in westlichen Ländern ist stabil, nimmt jedoch aufgrund der demografischen Veränderungen leicht zu. In jüngster Zeit ist auch ein Anstieg der Erkrankungsfälle in Ländern außerhalb der westlichen Welt zu verzeichnen.

Genetische und Umweltfaktoren

Die genaue Ursache von CED ist noch nicht vollständig verstanden, aber es gibt Hinweise auf eine genetische Prädisposition. Über 240 verschiedene Gene wurden bisher identifiziert, von denen etwa 30 bei beiden Erkrankungen eine Rolle spielen können. Diese Gene sind in Prozesse wie die intestinale Homöostase, Immunregulation und Zellmigration involviert. Eine gestörte Permeabilität der Darmbarriere ermöglicht das Eindringen von Mikrobiota und löst Entzündungsreaktionen aus.

Veränderungen im Darmmikrobiom spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der Pathogenese von CED. Die Diversität des Mikrobioms nimmt in urbanen Gesellschaften ab, was mit einem Anstieg nichtübertragbarer Erkrankungen wie CED einhergeht. Westliche Ernährungsgewohnheiten und Umweltfaktoren scheinen diese Veränderungen zu fördern.

Therapieansätze

Die Therapie von CED zielt darauf ab, die Krankheit zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, da es keine Heilung gibt. Die Behandlung umfasst medikamentöse Ansätze, Ernährungsanpassungen, chirurgische Eingriffe und ergänzende Therapien.

Medikamente wie Aminosalicylate, Kortikosteroide und Biologika, darunter TNF-α-Antikörper, werden eingesetzt, um Entzündungen zu hemmen und die Krankheit zu kontrollieren. Neue Wirkstoffe wie Vedolizumab, Ustekinumab und JAK-Inhibitoren zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von CED.

Ernährungstherapie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die exklusive enterale Ernährung (EEN) hat sich besonders bei Kindern mit Morbus Crohn als effektiv erwiesen. Die Crohn’s Disease Exclusion Diet (CDED) erlaubt den Verzehr bestimmter Lebensmittel in Kombination mit teilenteraler Ernährung und wird auch bei Erwachsenen angewendet. Diese Diäten können die Entzündungsaktivität reduzieren und den Ernährungszustand verbessern.

Die chirurgische Therapie wird bei Komplikationen wie Stenosen, Fisteln oder Abszessen eingesetzt. Bei Morbus Crohn kann die Ileozökalresektion in einigen Fällen zu einer langanhaltenden Remission führen.

Lebensqualität und psychogastroenterologische Unterstützung

CED-Patienten haben oft mit extraintestinalen Symptomen und psychologischen Belastungen zu kämpfen. Die psychogastroenterologische Behandlung kann dazu beitragen, den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern. Dies beinhaltet die Bewältigung von Ängsten, Depressionen und Stress.

Zukünftige Entwicklungen

Die Entwicklung neuer Medikamente, darunter JAK-Inhibitoren, IL-23-Inhibitoren und Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren, bietet Hoffnung für die Verbesserung der Behandlung von CED. Kombinationstherapien und personalisierte Ansätze könnten ebenfalls in Zukunft eine größere Rolle spielen.

Insgesamt erfordert die Behandlung von CED einen interdisziplinären Ansatz, der Gastroenterologen, Chirurgen, Ernährungswissenschaftler, Psychologen und andere Fachkräfte miteinbezieht. Dies ermöglicht eine umfassende Versorgung, um die Lebensqualität der Patienten zu steigern und die Progression der Erkrankung zu verlangsamen.

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