Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ist die Nährstoffaufnahme häufig gestört. Entzündungen im Darm, operative Eingriffe, medikamentöse Therapien und eingeschränkte Ernährung führen dazu, dass Vitamine und Mineralstoffe schlechter aufgenommen werden. Besonders betroffen sind Vitamin D, Eisen, Vitamin B12, Folat und Zink. Die Folgen von Mängeln können die Lebensqualität beeinträchtigen und den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.
Vitamin D ist entscheidend für das Immunsystem, die Knochenstabilität und die Muskelkraft. Studien zeigen, dass bis zu 70 Prozent der CED-Patienten einen Vitamin-D-Mangel haben. Bei niedrigen Werten steigt das Risiko für Infektionen und Osteoporose. Die Ursache liegt meist in entzündungsbedingter Malabsorption, geringer Sonnenexposition und Medikamenteneinnahme.
Eisen ist bei CED-Patienten besonders kritisch, da Blutverluste durch entzündliche Darmschleimhaut, chronische Entzündungen und häufige Operationen auftreten. Eisenmangel führt zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Anämie. Die Therapie erfolgt häufig über Eisenpräparate, wobei die Verträglichkeit individuell geprüft werden muss.
Vitamin B12 und Folat werden vor allem im terminalen Ileum bzw. im Dünndarm aufgenommen. Morbus-Crohn-Patienten nach Resektionen im Ileum haben daher ein erhöhtes Risiko für Mängel. Ein Defizit äußert sich durch neurologische Symptome, Müdigkeit und Blutbildveränderungen.
Zink spielt eine zentrale Rolle für das Immunsystem, die Wundheilung und die Hautgesundheit. Ein Mangel kann das Infektionsrisiko erhöhen, Wunden heilen schlechter und Haarausfall oder Hautprobleme treten auf.
Symptome erkennen, Laborwerte verstehen
Viele Vitamin- und Mineralstoffmängel bleiben lange unbemerkt. Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, brüchige Nägel oder Haarausfall werden oft nicht direkt mit CED in Verbindung gebracht. Regelmäßige Blutkontrollen sind entscheidend, um Mängel frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören unter anderem Vitamin-D-Spiegel, Ferritin, Hämoglobin, Vitamin-B12- und Folatwerte sowie Zink.
Unsere Selbsthilfegruppe Oberberg bietet Betroffenen Unterstützung, Laborwerte richtig zu interpretieren und Erfahrungen auszutauschen. Viele Patienten berichten, dass der Austausch über Symptome, Nahrungsergänzung und individuelle Therapieoptionen sehr hilfreich ist, um sich im Alltag sicherer zu fühlen.
Prävention und Therapie
Die Behandlung von Mängeln richtet sich nach der Schwere des Defizits und der Ursache. Bei Vitamin-D-Mangel werden häufig hochdosierte Präparate über mehrere Wochen bis Monate empfohlen, gefolgt von einer Erhaltungsdosis. Eisen kann oral oder intravenös zugeführt werden, je nach Verträglichkeit und Schweregrad der Anämie. Vitamin B12 wird oft intramuskulär verabreicht, während Folat in Tablettenform ergänzt wird. Zinkpräparate können sinnvoll sein, insbesondere bei nachgewiesenem Mangel.
Darüber hinaus kann eine ausgewogene Ernährung, angepasst an die individuelle Verträglichkeit, dazu beitragen, Defizite zu verhindern. Unsere SHG unterstützt hier mit praxisnahen Tipps, Erfahrungsaustausch und der Möglichkeit, Fragen an andere Betroffene zu stellen, die ähnliche Therapien oder Ernährungssituationen haben.
Regelmäßige Kontrolle der Blutwerte, gezielte Supplementierung und der Austausch in der Selbsthilfegruppe sind Maßnahmen, um Defizite zu erkennen und zu behandeln. Die SHG Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa Oberberg e. V. bietet Betroffenen eine wertvolle Plattform, um sich über Laborwerte, Ernährung und Therapieoptionen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

