Die Evolution der Kortison-Therapie und ihre Auswirkungen auf entzündliche Erkrankungen

Kortison, ein Wundermittel in der medizinischen Geschichte, hat seit seiner Entdeckung vor etwa 75 Jahren zahlreiche Leben beeinflusst und verbessert. Ursprünglich als kraftvolles Mittel gegen rheumatische Erkrankungen eingesetzt, erlebten Patienten oft dramatische Verbesserungen ihrer Symptome. Die aktuelle Forschung in Berlin und Erlangen zeigt jedoch neue Wege auf, wie Kortison das Immunsystem beeinflusst, und bietet damit Hoffnung auf die Entwicklung eines verbesserten Kortisons ohne schwerwiegende Nebenwirkungen. Diese Fortschritte könnten insbesondere für Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, von Bedeutung sein.

Entdeckung des Kortison und seine Erfolge

In den 1940er Jahren entdeckte der Mediziner Philip Showalter Hench das Nebennierenhormon Kortison, das schnell als revolutionäres Mittel zur Linderung von Schmerzen und Leid galt. Patienten, die unter starken Schmerzen litten, fanden oft rasche Erleichterung, und das Medikament zeigte seine Wirkung in einer Vielzahl von Anwendungen, von rheumatoider Arthritis bis hin zu Hautkrankheiten. Die anfänglichen Erfolge von Kortison waren so beeindruckend, dass sie weitreichende Aufmerksamkeit und Anerkennung, einschließlich des Nobelpreises, erhielten.

Nebenwirkungen und die Suche nach Alternativen

Obwohl Kortison als hochwirksam galt, wurden bald seine erheblichen Nebenwirkungen offensichtlich. Langzeitanwendungen führten zu Problemen wie hohem Blutdruck, Osteoporose und Diabetes. Diese Erkenntnis motivierte die Wissenschaftler dazu, alternative Therapien zu suchen, die entzündungshemmend wirken könnten, ohne die stoffwechselbedingten Nebeneffekte zu verursachen.

Neuere Forschungen, geleitet von Gerhard Krönke an der Charité in Berlin, haben gezeigt, dass Kortison auch auf andere Weise im Immunsystem wirkt. Die Entdeckung, dass Kortison die Mitochondrien von Immunzellen dazu bringen kann, von der Produktion von Abwehrstoffen auf die Erzeugung von Energie umzuschalten, könnte eine Erklärung für seine entzündungshemmende Wirkung ohne die Aktivierung schädlicher Gene im Zellkern sein. Diese Entdeckung hat das Potenzial, zu einem „Super-Kortison“ zu führen, das gezielt entzündliche Prozesse unterdrückt, ohne andere Körperfunktionen negativ zu beeinflussen.

Bedeutung für Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Für Patienten mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die unter einer Überreaktion des Immunsystems leiden, könnte ein solches verbessertes Kortison eine entscheidende Verbesserung darstellen. Die Entzündung, die bei diesen Krankheiten eine zentrale Rolle spielt, könnte gezielt behandelt werden, ohne dass die Patienten die vollständige Palette der Nebenwirkungen herkömmlicher Kortisontherapien erleiden müssten. Dies würde nicht nur die Lebensqualität erheblich verbessern, sondern auch langfristige Gesundheitsrisiken minimieren.

Die Herausforderung liegt nun darin, die Entdeckungen aus dem Labor in praktische Therapien umzusetzen, die sicher und wirksam bei Patienten angewendet werden können. Die Gründung des Start-ups Metaimmune Therapeutics zeigt, dass es eine klare Vision und das Engagement gibt, dieses Ziel zu erreichen. Die Forschung steht jedoch erst am Anfang, und es wird erhebliche Investitionen und weitere Forschungen benötigen, um ein neues Medikament zu entwickeln, das die positiven Eigenschaften von Kortison ohne seine Nachteile bietet.

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