Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa liegt der Fokus meist auf der Auswahl der richtigen Lebensmittel. Doch auch die Verpackung der Nahrungsmittel spielt eine Rolle für die Darmgesundheit. Eine aktuelle Untersuchung rückt Mikro- und Nanoplastik (MNP) als möglichen Risikofaktor in den Fokus.
Ergebnisse der aktuellen Forschung
Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien hat untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von CED-Erkrankungen und der zunehmenden Belastung durch Mikro- und Nanoplastik gibt. In einem Mausmodell mit Colitis ulcerosa wurden die Auswirkungen von Polystyrol – einem Kunststoff, der häufig für Joghurtbecher, Fleischschalen oder Take-away-Boxen genutzt wird – analysiert.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Wechselwirkungen:
- Erhöhte Aufnahme: Unter entzündlichen Bedingungen nahm die Darmschleimhaut Mikro- und Nanoplastik in erhöhtem Maße auf.
- Verstärkte Immunreaktion: Die Plastikpartikel beeinflussten die Immunzellen und verstärkten die entzündlichen Reaktionen im Darm.
- Veränderung der Darmflora: Es wurde beobachtet, dass nützliche Bakterienarten zurückgingen, während entzündungsfördernde und potenziell schädliche Bakterien zunahmen.
- Ausbreitung im Körper: Studienleiter Prof. Dr. Lukas Kenner erklärte, dass sich die Partikel unter entzündlichen Bedingungen nicht nur im Darm, sondern verstärkt auch im Blutkreislauf sowie in Organen wie Leber und Nieren anreicherten.
Alltagstipps: Mikroplastik reduzieren
Ein kompletter Verzicht auf Plastik ist im Alltag kaum möglich, doch die Belastung lässt sich mit einigen gezielten Anpassungen reduzieren. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern entlastet möglicherweise auch den sensiblen Darm:
- Auf alternative Materialien setzen: Für die Aufbewahrung von Speisen eignen sich Dosen aus Glas oder Edelstahl oft besser. Besonders beim Erhitzen in der Mikrowelle können sich aus herkömmlichen Kunststoffbehältern Partikel lösen.
- Frisch kochen statt Fertigprodukte: Je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto geringer ist in der Regel der Kontakt mit industriellen Kunststoffverpackungen.
- Vorsicht bei Heißgetränken: Coffee-to-go-Becher aus Pappe sind innen häufig mit Kunststoff beschichtet. Durch die Hitze können sich hier Mikroplastik-Teilchen lösen. Ein wiederverwendbarer Thermobecher aus Edelstahl ist eine sichere Alternative.
- Holz- statt Plastikschneidebretter: Beim Schneiden auf Kunststoffbrettern entstehen Riefen. Der feine Abrieb landet unbemerkt direkt in den zubereiteten Lebensmitteln.
Auch wenn weitere Studien notwendig sind, um die Erkenntnisse zu untermauern, kann die Reduzierung von Plastik im Umgang mit Lebensmitteln ein sinnvoller Baustein für einen darmfreundlichen Lebensstil sein.
Quelle: Dieser Beitrag basiert auf Forschungsergebnissen der Medizinischen Universität Wien, berichtet in der Fachpublikation „Magen, Darm & Co.“ (Ausgabe Sommer/Herbst 2026).Die Artikel auf unserer Seite ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt.

