Das Reizdarmsyndrom ist eine sehr häufige Erkrankung des Verdauungstraktes. Es handelt sich dabei um eine sogenannte funktionelle Störung. Das bedeutet, dass der Darm zwar nicht richtig funktioniert und Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung verursacht, aber bei Untersuchungen wie einer Darmspiegelung oder im Ultraschall völlig gesund aussieht. Es gibt keine sichtbaren Entzündungen, Geschwüre oder andere strukturelle Veränderungen an der Darmschleimhaut. Die Ursachen sind vielfältig und umfassen oft eine gestörte Darmbewegung, eine besonders empfindliche Darmwand oder ein Ungleichgewicht der Bakterien im Darm.
Für Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist das Wissen über den Reizdarm aus einem ganz bestimmten Grund enorm wichtig: Es kann im Alltag leicht zu Verwechslungen kommen. Viele Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erleben Phasen, in denen sie medizinisch gesehen in Remission sind. Die Darmschleimhaut ist dann wunderbar abgeheilt, und die Entzündungswerte sind völlig unauffällig. Dennoch leiden einige Betroffene in dieser Zeit weiterhin unter Bauchgrummeln, Krämpfen oder unregelmäßigem Stuhlgang.
In solchen Fällen liegt oft zusätzlich zur abgeklungenen Darmerkrankung ein Reizdarmsyndrom vor. Für Patienten kann das sehr beunruhigend sein, da sie natürlich sofort fürchten, ein neuer Krankheitsschub bahne sich an. Um hier Klarheit zu schaffen, messen Ärzte oft den Calprotectin-Wert im Stuhl. Ist dieser niedrig, kann man recht sicher sein, dass keine neue Entzündung wütet, sondern der Darm einfach „gereizt“ reagiert. Die Behandlung sieht dann ganz anders aus als bei einem Schub: Statt immununterdrückender Medikamente helfen hier oft sanftere Methoden wie krampflösende Mittel, spezielle Ernährungsformen, der Aufbau der Darmflora oder gezielte Entspannungsübungen, um den Darm wieder zu beruhigen.
