Tenesmen bezeichnen einen sehr starken, krampfartigen und oft schmerzhaften Drang zur Stuhlentleerung. Betroffene haben das ständige Gefühl, dringend auf die Toilette zu müssen, selbst wenn der Darm eigentlich fast leer ist. Häufig kommt es dabei nur zur Entleerung von sehr kleinen Mengen Stuhl, manchmal auch nur von Schleim oder etwas Blut, und das ersehnte Gefühl der vollständigen Entleerung bleibt aus.
Dieses zermürbende Symptom tritt besonders häufig bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auf, wenn der unterste Teil des Dickdarms, also der Enddarm (Rektum), von der Entzündung betroffen ist. Bei Colitis ulcerosa, die fast immer im Enddarm beginnt, gehören Tenesmen daher oft zu den typischen und sehr belastenden Begleitsymptomen. Auch bei Morbus Crohn können sie auftreten, sofern die Entzündung in diesem Bereich lokalisiert ist.
Die Ursache für diesen falschen Alarm des Körpers liegt in der stark gereizten und geschwollenen Darmschleimhaut. Die Entzündung macht die Nerven im Enddarm extrem empfindlich, sodass sie dem Gehirn fälschlicherweise melden, der Darm sei prall gefüllt und müsse sofort entleert werden. Für Patienten bedeutet dies oft eine enorme Einschränkung im Alltag, da man sich kaum weit von einer Toilette entfernen mag und auch nachts häufig aus dem Schlaf gerissen wird.
Glücklicherweise lässt sich dieses Symptom meist gut in den Griff bekommen, sobald die zugrundeliegende Entzündung medizinisch behandelt wird. Oft helfen hier lokal wirkende Medikamente wie Zäpfchen, Einläufe oder Rektalschäume besonders schnell, da sie direkt am Ort des Geschehens im Enddarm ansetzen, die Schleimhaut beruhigen und so den ständigen Reiz lindern.
